Klang-Körper - Musik zum Anschauen

Von Michael Thumser, Hofer Anzeiger / Frankenpost 17.12.2001

... Dezent und schnörkellos stimmten dessen Holzbläser den "Chorale St. Antonius" an, das Thema zu Johannes Brahms' "Haydn Variationen"; auch weiterhin behaupten sie sich als heimlich tonangebende Stimmengruppe in diesem Werk. Einfallsreich differenzieren die Symphoniker, nur hier und da leicht geführt in ihrer Präzision, und wissen die sich ablösenden Charaktere der Variationsreihe prägnant herauszuarbeiten. In fesselndem Wechsel dirigiert Ljubka zu Guttenberg - Frau des bekannten Dirigenten Enoch zu Guttenberg und mit ihm im Schloss bei Kulmbach zuhause - die Intensität des Klangs, die Heftigkeit der Bewegung, die fordernde Leidenschaftlichkeit oder bange Nervosität des Ausdrucks. Die Final-Passacaglia kämpft sich endlich durch zum Triumph.

Solche Geste - Sieg und Jubel - wird für gewöhnlich auch von Wolfgang Amadeus Mozarts 41. und letzter Symphonie erwartet; Immerhin hat die Nachwelt das strahlende C Dur - Stück auf den auftrumpfenden Nahmen "Jupiter-Symphonie" getauft. Doch die Dirigentin spart ökonomisch mit Aufwand und Ductus. Den jetzt auf klassisch-kleine Besetzung reduzierten Klangkörper fordert sie zu vergleichsweise kammermusikalischer Transparenz und Leichtigkeit heraus. Dem aktuellen Aufführungsstil passt sie sich an: Akzente und Kontraste lässt sie schärfen, hauptsächlich in der Tempogestaltung und Lautstärke, Zäsuren und Pausen fallen hintergründig ins Gewicht, unterlaufen die Spannung aber nicht, bestärken sie vielmehr. Die einzelnen Stimmgruppen, jede für sich, behält die Dirigentin in Griff und Blick und lässt dadurch keine etwas ohne die anderen tun. Aus delikater Frische - noch im komplex-majestätischen Schlusssatz - entsteht eine Geschlossenheit, aber kein übertrieben olympisches Gepränge.

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